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BÜRGER MACHEN MOBIL - HOLZEINSCHLAG AM 08.04.2008 IM KYFFHÄUSER VORZEITIG GESTOPPT - NÄHERES UNTEN AUF DIESER SEITE

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Letzte Aktualisierung:  15.03.2012
 
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die Unterschriftenaktion
            "STOPPT DEN KAHLSCHLAG" ist beendet

ENDSTAND:    5399

Dank an alle, die uns unterstützt haben!
 

                        NEUES       AKTUELLES       AKTUALISIERUNG                        

Neue Wege braucht das Land?

Am 17.05.2010 in den späten Nachmittagsstunden folgten Vertreter der Bürgerinitiative "Kyffhäuserwald", unter uns auch Renate Weinert als Vorsitzende des Naturschutzbeirates des Landkreises, einer Einladung des Forstamtsleiters Uli Klüßendorf zu einer Vorortbegehung im Kyffhäuser.
Seit den massiven Protesten im Winter 2007/2008 ist die Forstamtsleitung bemüht, die Öffentlichkeit im Vorfeld über notwendige Maßnahmen zu informieren. Das Treffen diente dieses Mal dazu, die Folgen der letzten Naturereignisse wie den Sturm "Xynthia" oder die außergewöhnliche Frostwetterlage im Januar diesen Jahres an ausgewählten Standorten zu besichtigen und die vom Forst durchgeführten Maßnahmen zu erläutern.
Besonders die Kiefernbestände hatten im Winter unter dem anhaltenden Frost und der damit verbundenen Vereisung zu leiden. Zwischen Unterem und Oberem Steinweg konnten wir unter der fachkundigen Führung von Forstamtsleiter Uli Klüßendorf und Revierleiter Jens Bracke auch sehen, wie der Forst mit diesen Verlusten umgeht und das umgebrochene Holz aufarbeitet. Von Revierleiter Jens Bracke erfuhren wir, dass auch in dieser Saison die notwendigen Wiederaufforstungen für den Waldumbau vom Nadelholz hin zu artenreichen Laubmischwäldern genutzt werden.
Teilweise werden die Flächen kostenintensiv eingezäunt und gepflegt. Hier gedeihen hoffentlich in Zukunft junge Eichen, Vogelkirsche, Elsbeere und der aus der Weinbauzeit im Kyffhäuser ansässige Speierling.
Auch an anderen Orten wurde erläutert, wie derzeit die Durchforstungsarbeiten erfolgen. Es wurde auch in dieser Einschlagssaison erfreulich wenig Starkholz geerntet, dafür aber viel Brennholz an die Bevölkerung abgegeben.
Knackpunkt der Waldbegehung war allerdings eine geplante Wegebaumaßnahme in der Nähe des Tilleschen Tores.
Das Forstamt plant im Wettautal eine Befestigung des Weges, um in Zukunft dort die geplante Holzernte in den bisher schlecht erreichbaren Beständen durchführen zu können. Der Weg ist nicht maschinenbefahrbar und für lange Zeit des Jahres feucht. Bevor hier die ersten Forstfahrzeuge fahren können, soll der Weg mit einem Schotterbett versehen werden. Dazu muss die bestehende Wegetrasse verbreitert werden. Verwendet werden soll ausschließlich Material aus der Region, das sich der Umgebung in relativ kurzer Zeit anpassen soll.

Von uns wurden verschiedene Punkte kritisch angemerkt:
zum einen die geplante Wegebreite, die das jetzige Wegebild sehr verändern wird, aber für die geplanten Maßnahmen wohl notwendig ist,
zum anderen der geplante Zeitraum der Maßnahme, die vorbereitenden Arbeiten - Abholzung am Wegesrand - soll in den nächsten Tagen erfolgen.
Das wurde von uns deutlich kritisiert, da der Weg teilweise direkt an das Vogelschutzgebiet (nach EU Vogelschutzrichtlinie) angrenzt und umfangreichere Einschlagsmaßnahmen in dieser Jahreszeit strikt abzulehnen sind. Die Genehmigung der Maßnahme durch die Untere Naturschutzbehörde des Kyffhäuserkreises stand zum Zeitpunkt der Begehung noch aus.
Erstaunlicherweise konnten wir bereits am Folgetag frühmorgens in der Presse lesen, dass "die Bedenken der Vertreter der Bürgerinitiative, dass bei einem Baubeginn noch im Mai die Vogelbrut gestört werden könnte, vom Forstamt ernst genommen wurden. In Absprache mit dem Naturschutz wird nun nicht sofort, sondern erst ab Juli mit dem Bau des Weges begonnen." Zauberei über Nacht oder nächtliche Arbeitsgespräche zwischen Forst und Behörde? Wir wissen es nicht, aber dem Vogelschutz ist damit zumindest teilweise gedient.

Ansonsten hoffen wir auf sensibles Vorgehen der Verantwortlichen im Forst, damit dieser Weg keine neue Waldautobahn wird, sondern auch nach der Sanierung zum Spazieren, Wandern oder Radfahren einlädt.



Warum der Kyffhäuser im "Schwarzbuch Wald" des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) erscheint…


"Deutschlands Forstwirtschaft ist auf dem Holzweg" - so schreibt es der BUND in seinem jüngst erschienenen "Schwarzbuch Wald". Hier wird anhand von 15 Beispielen aus den Jahren 2005 bis 2008 aufgelistet, dass es deutschlandweit zu Fehlentwicklungen in der Forstwirtschaft gekommen ist. Durch schwerwiegende Eingriffe in alte, naturnahe Wälder geraten die Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten in Gefahr. Die Bilder gleichen sich so sehr, dass man als Leser betroffen ist: vielerorts sind alte und ökologisch wertvolle Laubwälder in Schutzgebieten in Gefahr. Es wird zu viel altes Holz auf zu kleinem Raum entnommen, die schwere Technik zerstört den Waldboden. Mit der Verkehrssicherungspflicht werden massive Eingriffe entlang von Wegen und Straßen gerechtfertigt. Der BUND möchte mit seinem Schwarzbuch die Öffentlichkeit aufrütteln und die Politik für das Problem sensibilisieren. Europäisches Schutzrecht scheint in der Praxis vor Ort noch nicht überall angekommen zu sein. Unser Kyffhäuser ist eins von diesen fünfzehn geschilderten Fallbeispielen. Die Einschlagsaison 2007/2008 ist uns allen noch sehr gut in Erinnerung. Nur mühsam deckt nachwachsendes Grün die Narben an den Hängen über der B85 zu. Immer noch brennt die Sonne auf die Kahlflächen an den Schweinsköpfen und auf den Kauzbergen. Nur massiver Bürgerprotest konnte im Frühjahr 2008 die weit über das Notwendige und Sinnvolle hinausgehenden Holzeinschläge stoppen. Erfreulich ist, dass von den Verantwortlichen des Thüringen Forst eingelenkt wurde. Fehler in der Bewirtschaftung wurden eingeräumt. Eine Zwischenbilanz im Herbst 2008 hat zu einer Verringerung der geplanten Einschlagszahlen für die nächsten Winter in den besonders gefährdeten Gebieten, in den Schutzzonen des Südkyffhäusers geführt. Das lässt hoffen für die Zukunft. Bei sensiblem Umgang kann uns und unseren Kindern der Kyffhäuser als besonders beeindruckender Wald mit seinen alten Buchen- und Eichenbeständen erhalten bleiben. Nicht verständlich dagegen ist die Reaktion des Thüringer Umweltministers Volker Sklenar auf den Eintrag ins "Schwarzbuch Wald". Er hat die Kritik an der Forstpolitik im Naturpark Kyffhäuser zurückgewiesen und erklärt, die vom Bund für Umwelt und Naturschutz erhobenen Vorwürfe seien zwar "halbwegs zutreffend". Die Defizite seien aber inzwischen behoben. Dazu sagen wir: "Baum weg" ist "Baum weg", Herr Sklenar! Und in 180 Jahren etwa sind die Defizite dann auch wieder behoben…


Und hier geht's zum "Schwarzbuch Wald":

http;//www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/naturschutz/wald/schwarzbuch_wald/

   


Wie alles begann:

In Thüringen war der Teufel los - nicht mit Pferdefuß und Kochtöpfen kam er im Winter 2007/08 daher, sondern mit Kettensägen und schweren Fahrzeugen. Während Forst und Landesregierung von nachhaltiger und naturnaher Waldwirtschaft redeten und die Bundesregierung weltweit für ökologisches Wirtschaften plädierte, zogen Maschinen halbmetertiefe Furchen durch Vogelschutz- zonen,  Naturreservate und Naherholungs- gebiete und hinterließen Mondlandschaften. Die zuständigen Behörden vor Ort waren ratlos und wurden nicht gefragt , die oberen Behörden argumentierten auf befremdend anmutende Weise und scheuten auch öffentliche Falschaussagen nicht (vgl. Medien/Briefe). Je mehr man sich mit dem Thema auseinandersetzte, desto deutlicher wurde, dass es sich hier nicht um ein regionales Kyffhäusersyndrom handelt, sondern um ein landesweites Problem. Deshalb wachten wir auf und forderten: 

STOPPT  DEN  KAHLSCHLAG !
UND ER WURDE GESTOPPT!  

Nach 4 Monaten aufreibender Aktivitäten wurden am 08.04. durch Vetreter des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, insbesondere Ministerialdirigent Dr. Thöne, folgende Aussagen (getroffen):  >>>>>>>>>>>>>>


MAN KANN AUCH ALS EINFACHER BÜRGER ETWAS ERREICHEN !



Foto: Waldbegehung am 08.04.2008

- Es wurden sowohl in der Vergangenheit als auch in der
  Gegenwart Fehler gemacht bis hin zu groben Verstößen 
- Die Einschlagmaßnahmen im Kyffhäuser wurden in dieser
  Saison vorzeitig beendet, obwohl die Planzahlen nicht
  erreicht wurden 
- Für den Kyffhäuserwald wird es eine vorgezogene Revision
  der Einschlagspläne geben
- bei den Planungen der Maßnahmen in der kommenden          
  Saison wird die Bürgerinitiative einbezogen   
- Vom Ministerium wurden zusätzliche Mittel bereitgestellt, um
  geschädigte Wanderwege wieder herzustellen
- Auf Wunsch werden weitere Besichtigungen von kritischen
  Stellen mit der Bürgerinitiative durchgeführt
- Es soll Fachgespräche zwischen Forst und Bürgerinitiative
  zu Gesetzen, Richtlinien und Verfahren der Forstwirtschaft
  geben     (vgl. Nachrichtenarchiv sowie Medien/Briefe)    
 

WIR BLEIBEN DRAN UND PASSEN AUF !
 
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